Gorilla Fight vol.2
Geschrieben von Ulrich Huppertz (groundandpound.de)Die 1.100 Zuschauer in der Mannheimer Multihalle kamen am gestrigen Abend voll auf Ihre Kosten. Bei der zweiten Edition des Gorilla Fight setzte das Team um Promoter Volker Kammlodt in punkto Veranstaltung und Kampfniveau Maßstäbe in unserem nicht gerade mit Top Events gesegneten Land. Nach dem Event, das 15 Kämpfe in einem gut vierstündigen Programm bot, stand fest: Deutschland hat neben der Leipziger FFC einen neuen Power Player in Sachen Mixed Martial Arts. Das beeindruckende Ambiente der Multihalle und der Flair der zur Schau gestellten Rennmaschinen und Custom Bikes, das Drumherum passte wie die Faust aufs Auge. Doch nun zum sportlichen Teil des Abends.
Das Programm wurde von drei C-Klasse Kämpfen eröffnet, deren Regularien Schläge zum Kopf eines am Boden liegenden Gegners verbieten. Andrej Ruder von der Kampfsportschule Allerborn setzte im ersten Match seinen deutlichen Vorteil im Stand gegen Philipp Krebs um und erkämpfte sich zehn Sekunden vor dem Ende der ersten Runde den TKO Sieg. Krebs fand kein Mittel Ruder im Stehen beizukommen und ging in dem Kampf wiederholt zu Boden.
Thorsten Kronz' Schüler Igor Montes-Kircher versuchte seinem Gegner Miro Netalic in Runde eins seines Kampfes am Boden mit einem Choke in Bedrängnis zu bringen, scheiterte aber und nahm einige Schläge zum Körper. In Runde zwei drehte Kircher dann auf und konnte Netalic nach einigen schönen Kniestößen am Boden mit einem Rear Naked Choke bezwingen.
Im Mittelgewicht standen sich der Freiburger Michael Bisping Lookalike Pascal Krauss und Michael Heist aus Lossburg gegenüber. BJJ Stylist Krauss verschwendete keine Zeit und brachte seinen Gegner zu Boden, wo er nach zwei gescheiterten Armhebel Versuchen von Heist gesweept wurde. Krauss wendete jedoch erneut das Blatt und schaffte im dritten Anlauf die Submission, einen Keylock.
Den ersten B-Klasse Kampf des Abends bestritten Stefan Hoss vom German Top Team und Stallion Cage Fighter Vito Tanga. Tanga ging nach einer ersten Schlagsalve von Hoss sofort zum Takedown über, ließ seinen Gegner jedoch recht zügig in die Backmount gelangen. Von dort aus feuerte Hoss zuerst Schläge ab und probierte es danach mit einigen Würgegriff Ansätzen. Diese scheiterten an dem sich erbittert wehrenden Stuttgarter, der dann jedoch nach 4:35 in Runde 1 nach weiteren Schlägen vom 'Boss' aufgab.
Im letzten Kampf vor der Pause überstand Sebastien Grandin vom Pariser Parabellum Combat Club den ersten Ansturm seines Gegners Vito Palimieri, der in bester 'Balls to the wall' Manier die Fäuste fliegen ließ und Grandin in die Käfiggitter trieb. Dort drehte Grandin den Spieß um und brachte Palimieri, nachdem sich dieser mehrfach und vom Ringrichter nicht geahndet am Käfiggitter festhielt, zu Boden. Grandin verpasste den Armbar, konnte seinen Opponenten jedoch erneut zu Boden bringen und dort aus der Backmount den Sieg via Rear Naked Choke einfahren.
Nach einer 15-minütigen Pause verschwendeten Eddie Mermis und Andy Baz keine Zeit und feuerten Schlagkombinationen ab. Mermis brachte Baz dann zu Boden, konnte ausser einem hoffnungslosen Side Choke aus der Full Guard in Runde eins keine weiteren Akzente setzen. Gleich zu Beginn der zweiten Runde legte Mermis erneut stark los und stand kurz davor Baz auszuknocken, doch dieser bewies enorme Nehmerqualitäten. Mermis verlagerte den Kampf erneut zu Boden und machte diesmal den Sack zu, als er Baz mit einem Armbar 15 Sekunden vor Schluss finalisierte.
Im einzigen Halbschwergewichtskampf des Abends setzte sich Gregor Herb gegen Nevenko Bilic durch. Bilic glänzte mit einem CroCop Shirt und Tito Ortiz Hose, fand jedoch im Kampf keine Antwort auf den Freiburger Grappler, der nach vier Minuten am Boden durch technischen KO gewinnen konnte.
Mixed Martial Arts der Frauen, entweder man liebt oder man hasst es. Beim Gorilla Fight stand es auf dem Programm und die Zuschauer waren davon angetan. Annika Sitter vom German Top Team setzte sich nach einer zwei-ründigen dominanten Vorstellung gegen Tanja Hoffmann gekonnt durch und heimste den Punktsieg ein, der auf drei Zetteln der Punktrichter mit 20-17 entsprechend deutlich ausfiel.
Daniel Schöb bekam mit dem Franzosen Mauel Sully einen denkbar schwere Aufgabe. Aus dem Clich brachte Sully den Kampf zu Boden und befreite sich aus einem Guillotine Würger. Sully konnte weiter nicht punkten und dreht erst gegen Ende der ersten runde wieder auf, als er Schöb erneut niederrang und zwei Sekunden vor dem Ende der Runde den Kampf mit Ground and Pound beendete.
Nach dem obligatorischen Aufstehen für die Nationalhymnen Brasiliens und Deutschlands war der Weg frei für den ersten Shidokan WM Kampf des Abends. Marcelo 'Bocao' Ferreira, mit schicker Black House Hose gekleidet, traf auf den Hanauer Franco 'Ortega' de Leonardis. Nach anfänglich ausgetauschten Low Kicks hatte Bocao genug vom Standkampf gesehen und rannte wild die Fäuste schwingend seinen Gegner in die Käfiggitter. Ortega, der sich sichtlich der Gefahr, die von Bocao am Boden ausgeht, bewusst war kämpfte vorsichtig, fing sich dabei jedoch zwei Kniestöße zum Kopf. Nach einiger Arbeit gelang Bocao dann der Takedown, doch erlaubte Ortegas Defensive kaum Treffer durch die Schläge des Brasilianers. Dann sollte eine Aktion folgen, die zum späteren Kampfabbruch führt. Bocao packt sich in einem Kraftakt Ortega und hebt diesen aus der Guard heraus geschätzte 50cm hoch und slamt ihn nieder. Daraufhin passiert er die Guard von Ortega, lässt einige harte Schläge niederregnen, und setzt einen Side Choke an.
Just in diesem Moment geht der Ringrichter Daniel Ackermann dazwischen und erklärt, dass Bocao eine illegale Technik angewandt habe. Die Verwunderung der Zuschauer ist groß, da der Slam knappe 10 Sekunden vor dem Kampfabbruch erfolgt war und somit im ersten Moment nicht als Wurzel allen Übels ersichtlich war. Ortega wurde bei der Aktion Bocaos auf das Genick geworfen, was laut Regelwerk ein Regelverstoß ist. Bocao stand verwundert auf und die Franzosen, von denen er gecoacht wurde, schienen ebenfalls verblüfft. Ortega konnte nicht weiterkämpfen und wegen eines Missverständnisses bei der Regelbesprechung wurde der Kampf anschließend als No Contest gewertet. Ortega ergriff das Mikrofon und entschuldigte sich beim Publikum, das sich die gesamte Show über äußerst fair und begeistert zeigte. Der Applaus, den Bocao danach bei der Verabschiedung von den Rängen erhielt, war jedoch deutlich lauter und das Gorilla Fight hatte seine erste kontroverse des Abends.
Im elften Kampf des Abends lieferte der Franzose Florent Beto eine imposante Vorstellung ab und krönte die mit 2-0 gelungene Vorstellung seines Teams. Beto brachte seinen Gegner Daniel Talmon mit einem schönen Sprungschlag in Bedrängnis und suchte schnell den Clinch, von wo er Talmon mit einem Judo Wurf zu Boden brachte. Nach 2:52 musste sich Talmon dann einem sauberen Armbar des Franzosen geschlagen geben.
Die graue Eminenz des deutschen MMA, Peter Angerer vom German Top Team, betrat danach den Ring. Der Staredown zwischen ihm und dem Briten Jason Ball sollte einen Vorgeschmack auf den folgenden Kampf bieten. Im Stand wurde der Kampf dann nach anfänglichem Low Kick Austausch härter geführt und es war Angerer, der den Stempel aufdrücken konnte. Ein schöner linker Haken auf Balls Nase ließ ein Raunen durch das Publikum gehen, doch schoss der Brite schnell zum Takedown und holte Angerer runter. Nach kurzer Zeit lässt Ball erste Schläge niederregnen, die 'Yamatodamashii' tapfer beantwortet. Ball dreht dann gegen Ende der Runde sichtlich auf und bringt Angerer in Bedrängnis, der alles auf eine Karte setzt und einen Fußhebel ansetzt. Ball entwischt dem Griff und beginnt in den letzten fünf Sekunden des Kampfes aus verbesserter Position auf Angerer einzudreschen. Sichtlich getroffen kam keine Gegenwehr mehr von Angerer und als der Ringgong ertönte, ging der Ringrichter dazwischen. Ball sprang auf und schrie 'He tapped, he tapped' ('er hat abgeklopft', Anm. d. Red.), und niemand zweifelte mehr an dem Ausgang des Kampfes, da sich Angerer nicht mehr bewegte und der Ringarzt reinkam. Wie sich nachher herausstellte, hatte sich der Nürtinger beim Aufwärmen an der Wade verletzt, wollte jedoch nicht den Kampf absagen.
Die einzig wahre Enttäuschung des Abends ereignete sich, als Mario Stapel auf den Briten Leslee Ojugbana treffen sollte. Ojugbana stand schon im Käfig, als plötzlich klar wurde, dass etwas nicht stimmt. 'Ich dachte er würde dies extra machen, du weißt schon, verspätet einlaufen, um in meinen Kopf zu kommen. Darauf war ich vorbereitet, das hatte mir nicht ausgemacht.' Gab Ojugbana gegenüber Ground and Pound zu Protokoll. Der Ringsprecher gab bekannt, dass sich Mario beim Aufwärmen die Hand verstaucht habe, Backstage konnten wir Ihn jedoch nicht mehr zu einer Stellungsnahme antreffen. Ojugbana verließ perplex und enttäuscht den Käfig, ohne gefochten zu haben. 'Das ist echt enttäuschend, ich bereite mich sechs Wochen vor dafür und nun dies! Was soll ich zu Hause sagen? Hast du gekämpft? Nein! Na klasse!'
Den letzten Lichtblick aus deutscher Sicht lieferte Daniel Weichel, der sichtlich bemüht war Wiedergutmachung für seinen letzten Kurzauftritt beim SLAMM M-1 zu betreiben. Sein Gegner Ian Jones punktete zuerst mit einem harten Low Kick, doch tauchte Weichel zum Takedown ab und brachte den 'Mungo' zu Boden. Weichel befreite sich aus der Guillotine und fing an erste Schläge loszulassen. Er arbeitete sich in die Full Mount vor, nutzte dann blitzschnell die Chance, als Jones ihn herunterbuckeln wollte und sicherte den Armbar nach nur zweieinhalb Minuten.
Im Hauptkampf des Gorilla Fight stritten sich Thorsten Kronz und Sean McKenning um den Shido MMA Weltmeistertitel im Schwergewicht. Während der Brite optisch an seinen Landsmann James Thompson erinnerte und sowohl mit den Kameras, als auch den Ringgirls flirtete, kam Kronz schnellen und entschlossenen Schrittes in den Käfig marschiert. Den Kampf eröffnete die 'Deutsche Eiche', die im Stehen wie erwartete die Oberhand erlangte und mit dem Jab und ersten Kicks langsam punktete. Nach einer schönen Kombination von Kronz schaffte McKenning den Takedown, wurde jedoch schnell gesweept. Kronz kämpfte sich hoch, nur um erneut von dem Briten niedergerungen zu werden. Hier wurden allmählich der zehn Kilo Gewichtsunterschied und die Kraftvorteile McKennings deutlich. Grobe Schläge stellten Kronz erst vor wenige Probleme, der aus der Guard heraus versuchte einen Armbar zu setzen. Dies nutzte der glatzköpfige Riese geschickt und verbesserte sein Position, was ihm erlaubte Kronz' Arm zu pinnen und ungehindert mehrfach in dessen Gesicht zu schlagen. Einen Augenblick der Unachtsamkeit und McKenning schnappte sich den Arm seines Gegners, den er mit Hilfe seiner Kraft nach knapp über vier Minuten zu einem Kimura nutzte. McKenning sicherte sich den Titel und ließ sich auch nach der Show beim feiern nicht lumpen, als er in bester Laune mit einer Sektflasche gesichtet wurde.
Für ihre erste große Show lief die Veranstaltung der Gorilla Fight Macher sehr flüssig ab und die Kämpfe boten alles, wonach der Fan lechzt. Am 18. Oktober steht die nächste Gala ins Haus und wenn das Team um Volker Kammlodt weiterhin hart arbeitet, die wenigen Kinderkrankheiten auswetzt, wird das Gorilla Fight Event in Kürze nicht nur in Deutschland für Furore sorgen. Aktuelles zur Gorilla Fight erfahrt auf www.gorilla-event.de und natürlich weiterhin hier exklusiv bei Ground and Pound, Deutschlands Kampfsport Portal Nummer Eins!
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